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04.10.2017 20:00

Beschäftigte qualifizieren, Fachkräfte gewinnen

Unternehmen können ihre geringqualifizierten Beschäftigten mit finanzieller Unterstützung der Agentur für Arbeit zum Berufsabschluss bringen - so wie die Firma Dr. Haubitz GmbH & So. KG in Solingen.

Autor: AA vom 02.10.17

v. lks.: Ilona Schirmer-Zinßer, Geschäftsführerin der Firma Dr. Haubitz GmbH & Co. KG

Qualifizierung gewinnt immer mehr an Bedeutung, auch bei bereits beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Die Arbeitsagentur kann im Rahmen des Förderprogramms „WeGebAU“ (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter Arbeitnehmer in Unternehmen) die Kosten für Weiterbildung von Beschäftigten übernehmen. Neben den Lehrgangskosten, Prüfungsgebühren und Fahrtkosten kann den Arbeitgebern auch ein Zuschuss zum Arbeitsentgelt als Ausgleich für den Arbeitsausfall während der Qualifizierung gewährt werden.

Die Firma Dr. Haubitz GmbH & Co. KG in Solingen nutzt dieses Programm bereits zum dritten Mal. Den ersten Kontakt mit diesem Förderprogramm hatte das Unternehmen im Jahr 2012. Damals begann mit Dennis Kainz der erste Mitarbeiter eine Umschulung zum Verfahrensmechaniker Kunststoff/Kautschuk, die im August 2014 erfolgreich abgeschlossen wurde. Daran schloss sich die Qualifizierung von Agon Hyseni und somit des zweiten Mitarbeiters zur Fachkraft für Lagerlogistik von September 2014 bis August 2016 an. Auch diese wurde mit erfolgreichem Abschluss beendet. Der Dritte im Bunde ist Ndi Nchanji Edmund, der zum Werkzeugmechaniker in der Fachrichtung Kunststoff- Kautschuktechnik fortgebildet wird. Von August 2016 bis Dezember 2018 drückt Ndi Nchanji Edmund in der Berufsschule gemeinsam mit Jugendlichen wieder die Schulbank, um den theoretischen Hintergrund zu Handgriffen zu lernen, die er in der Praxis häufig bereits angewendet hatte. Mit der Prüfung im Dezember 2018 wird er wie seine beiden Vorgänger einen vollwertigen Berufsabschluss erwerben. 

Ilona Schirmer-Zinßer, Geschäftsführerin der Firma Dr. Haubitz GmbH & Co. KG erläutert, worauf es für sie bei der Weiterbildung ihrer Beschäftigten ankommt: „Es gilt ungeahnte Fähigkeiten der Mitarbeiter im eigenen Unternehmen zu erkennen, zu fördern und diese somit langfristig als qualifizierte Fachkräfte für sich zu gewinnen. Eine Weiterbildung zu absolvieren und Mitarbeiter dabei zu begleiten schafft Zusammenhalt und motiviert Mitarbeiter auf allen Ebenen. Für mich ist die Weiterbildung neben der Ausbildung ein weiterer Baustein, um uns der Sorge um den Fachkräftemangel der Zukunft entgegen zu stellen“, so Ilona Schirmer-Zinßer. 

Die Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal fördert solche Einzelumschulungen, weil gering qualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das höchste Risiko haben, arbeitslos zu werden, aber gleichzeitig ihre Beteiligung an Weiterbildungen gering ist. „Mit der Förderung leisten wir einen Beitrag, Arbeitslosigkeit zu verhindern und sichern den Unternehmen den Fachkräftebedarf von morgen“, so Martin Klebe, Chef der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal. „Denn viele Tätigkeiten, die in der Vergangenheit von gering qualifizierten Beschäftigten ausgeführt werden konnten, fallen weg. Dagegen brauchen die Unternehmen Angestellte, die spezielle Qualifikationen für Facharbeiten vorweisen können.“

Mit dem von der Firma Dr. Haubitz GmbH & Co. KG genutzten Förderprogramms WeGebAU ist nicht nur eine Förderung geringqualifizierter Menschen oder älterer Beschäftigter möglich. Auch bei der Neueinstellung von Bewerberinnen und Bewerbern kann die Qualifizierung gefördert werden. Beschäftigte, die keinen Berufsabschluss haben oder seit mehr als vier Jahren nicht mehr im erlernten Beruf arbeiten, erhalten mit dem Förderprogramm die Möglichkeit, durch Umschulung und Weiterbildung einen Berufsabschluss zu erlangen.

Weiterbildungsinitiative Bergisches Land: Weiterbilden- Weiterkommen!
 
Die Agenturen für Arbeit Bergisch Gladbach, Mettmann und Solingen-Wuppertal haben sich zur „Weiterbildungsinitiative Bergisches Land“ zusammengeschlossen, um die Unternehmen der Region bei der Weiterbildung ihrer Beschäftigten zu unterstützen. Denn in der Region der Agenturen für Arbeit Bergisch Gladbach, Mettmann und Solingen-Wuppertal scheiden insgesamt von den über 630.000 Beschäftigten rund 120.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in den nächsten zehn Jahren aus dem aktiven Erwerbsleben aus - dies sind knapp 20 % aller derzeit Beschäftigten - auch innerhalb NRW ein überdurchschnittlich hoher Wert! Im Bezirk der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal scheiden von den 218.681 Beschäftigen 43.185 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem aktiven Erwerbsleben aus.
 
Umso wichtiger ist es deshalb, weitere Ressourcen zu erschließen - hier kommen die Beschäftigten in den Unternehmen in Betracht.
 
Die „Weiterbildungsinitiative Bergisches Land“ soll über mehrere Jahre laufen und wendet sich unter dem Motto „Weiterbilden – Weiterkommen!“ gleichermaßen an Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Allein in diesem Jahr stellen die drei Agenturen für Arbeit knapp 10 Mio. € an Fördermitteln bereit. Mit diesen Fördermitteln können in erster Linie die Kosten für Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen übernommen werden. Förderbar sind dabei im Einzelfall auch Zuschüsse zum Arbeitsentgelt.