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07.02.2018 09:06

Direkt aus dem Leben eines Azubis

Der Sozialwissenschaftskurs der neunten Klasse an der Max-Planck-Realschule bekam gleich an mehreren Terminen Besuch von Auszubildenden aus verschiedenen Unternehmen – und damit Erfahrungswerte aus erster Hand. Ein sinnvolles Zusammenkommen für beide Seiten, denn schließlich will die Berufswahl gut überlegt sein und die Unternehmen warten auf die motivierten Fachkräfte von morgen.

Autor: PM KoKo vom 07.02.18

Offen und begeistert berichteten die Azubis von Vorwerk. (Fotos, auch in höherer Auflösung zum Download: Kommunale Koordinierungsstelle)

Blutdruckmessen gefällig?

Auch die mitunter nicht ganz gerade verlaufenden Berufswege mancher Chefs machten den Schülern Mut.

Es gab offensichtlich keine Berührungsängste zwischen den Schülern und den Azubis.

Lehrerin Manuela Albrecht hatte diese neue Form des Zusammentreffens mit ihren Schülern gut vorbereitet und so lauschten sie bei den insgesamt fünf Besuchen nicht nur den lebensnahen Berichten der jungen Auszubildenden, sondern stellten auch aktiv und interessiert Fragen.
Mitte Januar waren beispielsweise zwei Auszubildende aus dem Hause Vorwerk zu Besuch im Unterricht. Die Werkzeug- bzw. Industriemechaniker hatten gleich auch eigene Werkstücke mitgebracht, die sie in der hauseigenen Lehrwerkstatt angefertigt hatten. In ihre Präsentation hatten sie auch Fragen aus dem Einstellungstest eingebaut – gar nicht so einfach, aber die Schüler waren mit Eifer dabei. Was die beiden Azubis Tilman und Savvas-Luca an ihrem Beruf besonders begeistert, beantworteten sie sehr freimütig: „Man lernt, viel selbst reparieren zu können“, so Tilman, es sei erstaunlich, mit welchen kleinen Mitteln man Dinge selber herstellen könne. Savvas-Luca war von Anfang an von den Maschinen fasziniert: „Man möchte einfach verstehen, wie sie funktionieren.“ Ob denn dort mehr Jungs oder Mädchen arbeiteten, fragte eine offensichtlich technisch interessierte Schülerin. Tatsächlich sei derzeit in ihrem Bereich nur ein Mädchen in Ausbildung. „Aber nicht, weil Vorwerk keine einstellt, sondern weil sich nur wenig bewerben“, bekräftigten die Auszubildenden. Gleich mehrere hundert Bewerbungen gebe es pro Jahr auf die 16 bis 20 Ausbildungsplätze.  Wichtig sei, so gaben die zwei jungen Männer den Schülern mit auf den Weg, dass man sich im Vorfeld richtig gut informiert, ob der Beruf zu einem passt.

Handwerk punktet
Neben der Diakonie, die den Beruf der Altenpflege präsentierte – hier kamen natürlich die Versuche zum Blutdruckmessen bei den Jugendlichen besonders gut an – war auch das Handwerk bei der Aktion „Azubis informieren Schüler“ einmal mehr gut vertreten. Elektrotechniker Falko Wichelhaus zog die Schüler mit der Aussage „Smart Home machen wir!“ gleich in den Bann. Sein Auszubildender Fabian beschrieb den vielseitigen Tagesablauf - ob auf dem Neubau, bei Renovierungen oder auch kleinere Reparaturen wie der Lichtanlage im Treppenhaus. Gut kam auch an, dass der Chef selbst keinen geraden Weg hinter sich hatte: „Ich hatte es nicht so gut wie ihr bei der Berufswahlvorbereitung.“ Die Realschule abgebrochen, nach dem Hauptschulabschluss ein Praktikum, dann die Ausbildung und den Betriebswirt später draufgesetzt, ist er nun seit über 20 Jahren selbstständig. Auch der Werdegang von Holger Dahlmann, Inhaber der Badwelt Dahlmann, machte dem Nachwuchs Mut. „Ich habe nach dem Hauptschulabschuss mit der Sanitär- und Heizungstechnik meinen Traumberuf gefunden und mich richtig reingekniet!“ So habe er mit 25 Jahren schon seinen Meister in der Tasche gehabt. Auch sein Azubi Dominik hat nun offensichtlich seinen Traumberuf gefunden, nachdem er nach der zehnten Klasse auf die Gesamtschule gewechselt hatte, von dort schon in der 11. wieder abging und nach einem Praktikum in die Ausbildung kam: „Mich reizt die Vielfältigkeit.“
Die reizt auch Azubi Sascha von der Bäckerei Policks und es überraschte die jungen Zuhörer sehr, dass hier 700 verschiedene Produkte gefertigt werden. Am schönsten sei, dass man so kreativ sein könne und es gebe gute Aufstiegschancen, „sogar bis zum Produktionsleiter“, schwärmte er.
Kreativität, aber auch der Einsatz digitaler Technik erfordert heute der Beruf des Malers. Der Malerbetrieb Conrads war hier mit Auszubildendem Borak vertreten. Dass heute Farbe zumeist am PC gemischt wird, fanden die Schüler genauso interessant wie die Frage, wieviel Farbeimer der Azubi denn in seiner Ausbildungszeit
umgeworfen hat – ganze zwei in drei Jahren ist doch eine gute Quote. Borak war übrigens Förderschüler und hat nach beharrlichem Nachfragen bei Malermeister Conrads erst ein Praktikum und dann seine Lehre machen
können. Es hat wohl so manchem der Schülerinnen und Schüler Mut gemacht, dass es nicht immer nur gute Noten braucht und man insbesondere beim Handwerk auch auf andere Dinge achtet, wie Begabung und Motivation.
Auf jeden Fall waren die Jugendlichen für die offenen Schilderungen und Ratschläge äußerst dankbar.

„Einmal mehr hat sich gezeigt, wie vorteilhaft es für beide Seiten ist, wenn Schule und Wirtschaft zusammenkommen“, äußert sich Anke Kleinbrahm von der Kommunalen Koordinierungsstelle – Übergang Schule-Beruf, die bei einigen Terminen dabei war.
Weitere Wuppertaler Schulen haben bereits ihr Interesse bekundet.

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