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17.05.2019 08:37

Fabrik in Wuppertal-Barmen wird zum Kunsthaus

Unternehmen investiert in ehemalige Industrie-Anlage von Halbach & Meister

Autor: PM Stromlinienform

Halbach & Meister - Blick auf die Fabrik, 2019 Foto: renaissance Immobilien & Beteiligungen AG

Kunsthaus Barmen - Blick auf die Terrasse und das Café Animation: renaissance Immobilien & Beteiligungen AG

Kunsthaus Barmen – Seilbahn zur Terrasse Animation: renaissance Immobilien & Beteiligungen AG

Halbach & Meister-Härterei, ca. 1935 Links Friedrich Halbach, rechts Heinrich Meister Foto: Halbach & Meister/Stadtarchiv Wuppertal

16.05.2019: Die ehemalige Fabrikanlage von Halbach & Meister an der Germanenstraße 41A in Wuppertal ragt ihre charakteristischen Sheddächer seit mehr als 90 Jahren in den Himmel von Barmen. Seit den 1920er Jahren qualmten hier die Schornsteine, um Stahl noch härter zu machen.

 

Die renaissance Immobilien & Beteiligungen AG mit Büro in Wuppertal hat das Gebäude mit seinen rund 3200 Quadratmetern auf zwei Etagen letztes Jahr gekauft und will hier ein besonderes Konzept verwirklichen: das „Kunsthaus Barmen“, so lautet der Arbeitstitel. Das Investitionsvolumen beläuft sich auf mindestens eine Million Euro. Hier sollen zukünftig Ateliers und Gemeinschaftsateliers für rund 30 Künstler entstehen. Die Sheddächer der alten Fabrik eignen sich dafür perfekt, sie lassen viel Tageslicht in die Ateliers hinein. Einige Räume sind bereits an eine Kunsthandwerkerin und einen Modellbauer vermietet.

 

Die Idee dahinter stammt von der Wuppertaler Künstlerin Bianca Baierl, sie hat auch die konzeptionelle Leitung: ein Haus ausschließlich für die Kunst. Baierl: „Qualifizierte Wuppertaler Künstler sollen bezahlbare Ateliers mieten können. Das heißt akademisch ausgebildete sowie bereits etablierte KünstlerInnen und Kunst-studentenInnen haben die Möglichkeit, schöne Atelierräume in einem künstlerisch ansprechenden Umfeld zu benutzen. Das Augenmerk liegt hier auf Studenten und Universitätsabsolventen. Zum einen haben sie durch ihr Studium Fähigkeiten erlangt, die sie automatisch in eine handwerklich gehobene Liga mit einem dement-sprechenden Anspruch heben, zum anderen haben sie sich -im Gegensatz zu Hobbykünstlern- der Kunst und ihrer Passion derart fest verschrieben, dass sie damit auch ihren Lebensunterhalt verdienen wollen und müssen. Diesen Künstler, die ihren gesamten Lebensweg auf die Kunst fokussieren, soll mit bezahlbaren Mieten geholfen werden.“

 

In den alten Fabrikhallen soll Kunst zudem begehbar sein, Kunstausstellungen mit direktem Kontakt zu den Künstlern machen aus den Ateliers so einen Erleb-nisort. Jedes Wochenende werden die Ateliers für das Publikum geöffnet. Workshops und Kurse mit Künstlern sind geplant sowie alle sechs Monate Versteigerungen von hier geschaffenen Kunstwerken. Dazu gibt es auf der Webseite kurze Videoclips, die die Arbeiten der Künstler zeigen und die Künstler vorstellen. Gespräche mit diversen Künstlern laufen bereits. Denkbar ist auch ein Kunstpreis, der in Zusammenarbeit mit der Stadt vergeben wird. Gespräche mit der Stadt Wuppertal müssen noch geführt werden, auch dazu, ob eine Förderung einzelner Künstler möglich ist. Die Stadt versucht man mit ins Boot zu holen.

 

Ein weiterer Punkt ist, dass Düsseldorfer Ateliers für viele Künstler einfach viel zu teuer geworden sind. Ein Platz in einem Gemeinschaftsatelier mit fünf Künstlern kostet hier schnell 200.- bis 300.- Euro pro Person. Diese können hier im benachbarten Wuppertal eine neue Heimat finden. Denn auch hier ist das Angebot an Ateliers eher überschaubar. Im Kunsthaus Barmen soll z.B. ein Platz im Gemeinschaftsatelier schon ab 80.- Euro zu bekommen sein. – Im Erdgeschoss der Fabrik ist ein Café geplant, das von Student/innen der Bergischen Universität Wuppertal/ Fakultät für Design und Kunst, geführt werden soll.

 

Auf der Terrasse des Cafés sollen es sich die Besucher/innen bei schönem Wetter gemütlich machen und den atemberaubenden Blick über die Talsohle bis zu den Südhöhen genießen. Und wer gerne noch mehr sehen möchte, steigt auf die Aussichtsplattform über dem Café. Momentan wird geprüft, ob eine direkte Verbindung von der Nordbahntrasse zur Fabrik-Terrasse mit einem Stahlsteg im typischen Schwebebahn-Stahlbau-Design möglich ist. Angedacht war auch eine kleine Seilbahn oder ein Schrägaufzug. Diese direkte Verbindung von der belebten Trasse zum Kunsthaus würde für noch mehr Besucher sorgen.

 

Laut der renaissance Immobilien & Beteiligungen AG könnte man sofort mit den Umbauarbeiten beginnen. Anträge und Anfragen liegen der Stadt vor und die notwendigen Mittel liegen bereit. Das Projekt liegt dem Unternehmen ganz besonders am Herzen. Denn der Kunst ein Denkmal in Wuppertal zu setzen, macht an diesem besonders schönen Ort einfach Sinn und zudem sehr viel Spaß. Der Wahlspruch der Kunstakademie Düsseldorf „Für unsere Studenten nur das Beste“ soll auch hier in Wuppertal abgewandelt gelten: „Für unsere Künstler nur das Beste“.

 

Das Backsteingebäude selbst hat eine lange Historie: Gebaut wurde es um 1889 für ein Textilunternehmen. Die Straße ist erstmals im Wuppertaler Stadtplan von 1862/63 nur als projektierte Straße ohne Namen zu finden. Dann ist sie als „Südstraße“ im Adressbuch der Stadt von 1871/72 eingetragen. Danach heißt sie kurze Zeit „Am Fatloh“, 1935 wird sie in „Germanenstraße“ umbenannt.

 

Die Unternehmensgeschichte beginnt mit Friedrich Halbach. Er arbeitet in den 1920er Jahren als kaufmännischer Angestellter in einer Feilenfabrik und hat so erste Kontakte mit der Wärmebehandlung von Metallen. Denn die Feilen werden in einem Bleibad gehärtet. Am 05.09.1927 macht er sich in dieser Branche selbstständig und fängt in einer Garage mit einer Härterei an und gründet so die Firma Halbach. Er hat Kontakt zur Firma Josef Mayr in Hagen, die die Vertretung der Degussa, Abteilung Glüh- und Härtetechnik, innehat. Diese Verbindung kann er für sein Geschäft gut gebrauchen. Nach kurzer Zeit spezialisiert sich Friedrich Halbach auf die Härtung von Ketten. Dies geschieht von Hand in Salzbädern. 1928 tritt sein alter Schulfreund Heinrich Meister als gleichberechtigter Teilhaber in die Firma ein, nun nennen sie sich „Halbach & Meister“. Beide werden das Unternehmen 50 Jahre lang führen.

 

Schnell verlagern sie den Betrieb in die Räume der ehemaligen Textilfabrik an der Germanenstraße 41a. In den sogenannten Pferdeställen beginnt die Härterei kontinuierlich zu wachsen. Die Auftragslage ist so gut, dass im 24-Stunden-Rhyth-mus durchgehend gearbeitet wird. Schnell befasst man sich auch mit der Behandlung von Werkzeugen. Im zweiten Geschäftsjahr kommt ein weiterer Mitarbeiter hinzu und die Kontakte zur Degussa werden ausgebaut. Das Geschäft floriert und Mitte der 1930er Jahre kann das Unternehmen die Gebäude an der Germanenstraße kaufen. Das Unternehmen betätigt sich als Spezial-Härterei. Das heißt, Stahlerzeugnisse anderer Hersteller werden bearbeitet und veredelt. Die sogenannten Belastungseigenschaften des Stahls werden härter gemacht und die Festigkeit gesteigert. Denn der im Werk angelieferte Stahl ist noch weich und bearbeitungsfähig. Dies geschieht mit Salzbadtechnologien. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges beschäftigt das Unternehmen 20 Mitarbeiter. Nach Ende des Krieges muss das Unternehmen zwei Jahre lang pausieren, entlässt aber keinen Mitarbeiter. Mit dem alten Mitarbeiterstamm wird dann Anfang 1947 wieder neu begonnen.

 

Im damaligen Firmenprospekt wird das Angebotsspektrum der Stahlhärtung folgendermaßen dargestellt: „Härten (Massenartikel), karbonitrieren (Massenartikel), vergüten (Massenartikel und Getriebeteile), kohlen (Getriebeteile), nitrieren (Massenartikel und Getriebeteile), Wärmebehandlungen“. Im Briefkopf von 1975 der „Härte-technik Halbach & Meister GmbH & Co. KG“ wird das Portfolio umrissen als „Blank-härten von Werkzeugen, Maschinenteilen, Zahnrädern etc. aus allen Stahlarten, Vergüten, Schnellstahl-Härten, Gasnitrieren, Badnitrieren nach Tenifer-Verfahren, Oberflächenhärtung durch Brennhärten, Blankhärten von Massenartikeln jeder Art aus Einsatzmaterial.“

 

Kunden von Halbach & Meister sind hauptsächlich Agrarmaschinen-Hersteller, sie produzieren Pflüge, Mähbalken und Mähdrescher. Deren Getriebe-Zahnräder werden bei Halbach & Meister gehärtet und so für die besondere Beanspruchung leistungsfähig gemacht. Weitere Kunden sind Fensterhersteller, ihre Federn müssen ebenfalls gehärtet werden. Später werden auch die Bauteile von Sicherheitsschlössern gehärtet.

 

Nach 50 Jahren scheiden die beiden Firmengründer mit 80 Jahren aus der Geschäftsleitung aus, als 1978 das Ehepaar Fasbender die Firma als alleinige Inhaber übernehmen. Bis dahin verwendet die Firma zum Härten ausschließlich die Salzbadtechnologie. Da diese nicht mehr zeitgerecht ist, wird mit der Umstellung auf die umweltgerechtere Schutzgastechnik begonnen, später kommen Kammeröfen hinzu. Halbach & Meister ist an diesem Standort bis 1985 aktiv, dann zieht das Unternehmen an die Otto-Hahn-Straße 55 im Industriegebiet Ronsdorf und ist dort seit 2004 im Verbund bei der HQM-Härtetechnik, Niederlassung Wuppertal. Die alte Fabrik wird danach teilvermietet.