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28.11.2019 13:06

Klimawandel, Textiles Bauen, Marketingstrategien – wohin steuert die Textilindustrie?

Die Textilbranche ist in der Wuppertaler Industriegeschichte fest verankert und hat maßgeblich zu der industriellen Entwicklung Deutschlands beigetragen. Seit dem 16. Jahrhundert wird im Tal der Wupper schon produziert. Doch wo steuert diese Traditionsbranche in der Zukunft hin? Der 5. Stammtisch „Technische Textilien Wuppertal“ gab einen Vorgeschmack. Im Fokus: der Klimawandel, textiles Bauen und digitale Marketingstrategien.

Die Textilindustrie in Wuppertal hat einen starken Wandel vollzogen. Wo früher Stoffe, Schnüre und Bänder produziert wurden findet man heute wahre Hightech-Fabriken, die sich auf die Herstellung technischer Textilien spezialisiert haben und die vielseitig angewendet werden. Dazu gehören zum Beispiel Sicherheitsgurte, Membranen, Geflechte für die Medizin oder Strom leitende Bänder, wie an einem Elektrozaun.

Eine Herausforderung für diese Branche – ebenso wie für alle anderen auch – ist die Anpassung an den Klimawandel. Und der ist längst in Wuppertal angekommen, wie Ute Bücker beim 5. Stammtisch für Unternehmer aus dem Bereich Technische Textilien aufzeigte. Die Klimaschutzmanagerin der Stadt Wuppertal präsentierte den zahlreichen Gästen, unter denen sich auch Oberbürgermeister Andreas Mucke befand, einige Zahlen und Beispiele aus den letzten Jahren. Acht von neun der wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnung wurden in diesem Jahrhundert gemessen. Trockenheit und Dürreperioden werden immer größer. Aber auch Starkregenereignisse, wie im vergangenen Jahr, werden häufiger auftreten. Diese Wetterextreme machen nicht nur Menschen, Tieren und Pflanzen zu schaffen, auch Gebäude und Maschinen müssen besser geschützt werden. Denn Schäden an Maschinen und daraus folgende Produktionsausfälle können ein Unternehmen hart treffen.. Deshalb rät Ute Bücker Unternehmen, eine Gefahrenanalyse vorzunehmen, die die Standortbedingungen berücksichtigt. Droht bei Starkregen eine Überschwemmung, weil das Unternehmen nah am Fluss liegt? Oder liegen Gebäude eher am Hang? Kleine, bauliche Maßnahmen, wie ein Mäuerchen um Wassermassen eines Starkregenereignisses abzulenken, hält die Klimaschutzmanagerin Ute Brücker für „unerlässlich“. Die Anpassungen der Gebäude  sei bei Neubauten natürlich um ein Vielfaches einfacher als bei Bestandsbauten. Das betrifft gerade die Textilfabriken, die teilweise schon seit mehreren Jahrzehnten bestehen.

Dabei könnten technische Textilien sogar Abhilfe schaffen. In der Architektur werden sie bereits als Innenraumauskleidung oder beim Dachbau eingesetzt. Aber in der Gestaltung von Fassaden liegt noch viel unausgeschöpftes Potenzial. Technische Textilien bringen viele Eigenschaften mit, die beim Bau geschätzt werden. Sie sind flexibel, licht- und luftdurchlässig, aber trotzdem widerstandsfähig und regulieren die Innentemperatur.

Dass Textilien erfolgreich für die Fassadengestaltung eingesetzt werden können, haben Studierende der Bergischen Universität Wuppertal bereits getestet. Professor Karsten Voss und Professor Ulrich Königsund Professor Ulrich Königs von der Fakultät für Architektur- und Bauingenieurwesen berichteten von einem Versuch, mithilfe einer Membran eine Fassade zu begrünen. Dabei wurden Pflanzen in textile Taschengesetzt. Das herabfließende Regenwasser speist die Pflanzen.

Auf diese Art könnten Technische Textilien auch als Wetterschutz eingesetzt werden, der die bestehende Fassade verkleidet. Im Sommer funktionieren sie als Sonnenschutz, im Winter als Wärmedämmung. Dieser Einsatz von Textilien in der Architektur hat nach Ansicht der Professoren „viel Potenzial“.

Ein weiteres Zukunftsfeld könnte im Bereich smarter Textilien liegen, die mit Extrafunktionen ausgestattet sind. Beispielsweise mit der Übermittlung von Daten. Ähnlich wie bei smarter Kleidung. Hier messen Jacken verschiedene Körperwerte, die mit dem Smartphone ausgelesen werden können. So könnte zum Beispiel eine Oberfläche melden, wenn sie undicht wird. Solche Zusatzfunktionen sind in der Architektur bislang jedoch noch äußerst selten im Einsatz.

Zu den vortragenden Experten gehörte auch Axel Kurz von der Marketing-Agentur PixelProduction. Denn das tollste Produkt nützt kaum etwas, wenn die Kunden dafür fehlen. Und dafür ist ein professioneller Internetauftritt unerlässlich. „Alles wird im Internet gesucht“, so Axel Kurz. Und deshalb müssten potenzielle Kunden auch genau dort abgeholt werden. "Wir sind heute in der Lage, bis ins kleinste Detail die Besuche auf unseren Internetseiten zu analysieren", eklärt Axel Kurz. Dieses Daten-Potenzial sollten Unternehmen bei ihren Marketing-Strategien berücksichtigen.

Die vielen Anregungen kamen bei den Stammtisch-Gästen jedenfalls gut an. „Spannend“ fanden viele die Veranstaltung, die von der Wirtschaftsförderung organisiert wurde.

Und, obwohl die Textilindustrie so weit in die Vergangenheit hineinreicht, gibt es auch für die nächsten Jahre jede Menge Entwicklungspotenzial. Textiles Bauen und smarte Textilien könnten die Zukunftstrends in der Textilbranche werden.