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29.09.2020 13:55

Wuppertal braucht neuen Wohnraum

Um dem Spagat zwischen einer wachsenden Stadt und dem Schutz von Naturräumen gerecht zu werden, setzt Wuppertal beim Wohnungsbau neben der Ausweisung neuer Baugebiete auch auf das Konzept der Innenentwicklung.

Wuppertal ist eine wachsende Stadt. Daher ist es dringend erforderlich, in den nächsten Jahren neuen Wohnraum zu schaffen. Die Einwohnerzahl ist in den letzten zehn Jahren um 12.000 auf über 362.000 Menschen gestiegen. Und die brauchen Platz zum Wohnen.

Bis 2040 muss Wuppertal - gemäß der Regionalplanung in Düsseldorf - jährlich 690 neue Wohneinheiten schaffen, um den wachsenden Bedarf der Bevölkerung zu decken. Der Platz dafür ist vorhanden, wenn die Stadt die Möglichkeiten zum Wohnungsbau in den Innen- und Außengebieten ausnutzt. 

Viel Potenzial in der Innenentwicklung
Um die Inanspruchnahme von bislang unbebauten Grünflächen zu minimieren, sucht die Stadt bevorzugt Wohnbaupotentiale in bereits erschlossenen Gebieten. Hier bieten sich noch vielfältige Möglichkeiten, um zusätzlichen Wohnraum zu schaffen: Baulücken schließen, Flachbauten aufstocken, Dachgeschosse ausbauen oder innerstädtische Brachen entwickeln. Eine von der Stadt Wuppertal in Auftrag gegebene Studie hat ergeben, dass sich innerhalb des Siedlungsgebietes noch Potenzial für 9.700 Wohneinheiten befindet.

Der Vorteil der Innenentwicklung ist zum einen, dass die Infrastruktur in bereits erschlossenen Gebieten mitgenutzt werden kann. Zudem können Quartiere aufgewertet werden, wenn dort unansehnliche Brachflächen durch moderne Neubauten ersetzt werden.

Ein konkretes Beispiel für die Innenentwicklung ist das zurzeit neu entwickelte Wohnbaugebiet „Heubruch“ in Barmen. Dort wird eine 48.000 Quadratmeter große Brachfläche an der Nordbahntrasse für Geschosswohnungsbau reaktiviert. Die Umgebung ist bereits von Wohnbebauung geprägt. Ein Supermarkt und eine KiTa befinden sich in der Nachbarschaft. Auch zum S-Bahnhof und der Barmer Fußgängerzone ist es nicht weit.

Spagat zwischen Innen- und Außenentwicklung
Der Bedarf an neuem Wohnraum kann jedoch nicht allein durch die Innenentwicklung gedeckt werden. Die Bezirksregierung Düsseldorf hat ausgerechnet, dass die Stadt 125 Hektar zusätzliche Wohnbaufläche schaffen muss. Das macht neben der Verdichtung in den Stadtlagen auch die Erschließung neuer Wohngebiete in den Randlagen erforderlich. Deshalb hat die Stadt im letzten Jahr alle potentiellen Flächen für den Wohnungsbau in Wuppertal analysieren lassen, um möglichst flexibel auf die Forderungen aus der Landeshauptstadt nach neuem Wohnbauland reagieren zu können.

Insgesamt wurden in einer Studie 67 Flächen im Stadtgebiet ermittelt, die zusammen über 340 Hektar umfassen und sich für eine Neuausweisung eignen würden. Die größten Flächenpotenziale liegen demnach in Uellendahl-Katernberg und Vohwinkel. In den Bereichen, die entlang der Talachse liegen, sind dagegen kaum Flächen für Neuausweisungen vorhanden. Elberfeld, Barmen oder Heckinghausen sind bereits dicht besiedelt und verfügen kaum über ungenutzte Randlagen.

Zuletzt wenig Aktivitäten in der Außenentwicklung
Rund die Hälfte der identifizierten Flächen hat die Stadt der Regionalplanung vorgeschlagen. Die hat nach einer Prüfung ihrerseits entschieden, dass 17 davon tatsächlich als neue Wohnbauflächen genutzt werden könnten. Kriterien wie ÖPNV-Anschluss, ökologische Vertretbarkeit und infrastrukturelle Ausstattung wurden zur Bewertung herangezogen.
Die Entscheidung, welche der Flächen wann und wie entwickelt werden, liegt aber letztendlich beim Rat der Stadt. Der Regionalplan ist dabei nur eine Art Spielraum, in dem die Stadt sich bewegen kann.

Tatsächlich waren die Aktivitäten in Sachen Außenentwicklung in den letzten Jahren überschaubar. In Beyenburg hat ein privater Investor vor einigen Jahren an der Windfoche rund 60 Doppel- und freistehende Einfamilienhäuser gebaut. Um den nachgewiesenen Bedarf an Wohnungen für unterschiedlichste Zielgruppen zu decken, sind aber noch weitere Projekte erforderlich.

Innen vor Außen
Mit einem Wohnungsbaukonzept, das sich auf die Innenentwicklung konzentriert und ergänzend die Außenentwicklung im Blick behält, soll Wuppertal als lebenswerte Stadt gestärkt werden. „Wohnen für alle – Nachhaltig und Vielfältig“ heißt die entsprechende Leitlinie, die im Stadtentwicklungskonzept verankert ist.