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Aktuelles | 17.11.2022

Energiesparen im Handel: Bei Beleuchtung gibt es viel Potenzial

Die Bergische IHK und die Wirtschaftsförderungen aus Wuppertal, Solingen und Remscheid luden zum digitalen Austausch ein. Expertinnen gaben Tipps, wo am meisten Energie gespart werden kann.

Im Non-Food-Bereich des Einzelhandels liegt das größte Energiesparpotenzial in der Beleuchtung.

Unbeleuchtete Schaufenster, abgeschaltete Reklametafeln. Die hohen Strom- und Gaspreise zwingen viele Einzelhändler*innen zum Sparen. Die Bergische IHK und die Wirtschaftsförderungen der Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid luden daher zu einem digitalen Info-Abend ein. „Nach dem Motto ´viele kleine Ideen erzeugen auch Wirkung‘, wollen wir pragmatisch umsetzbare Maßnahmen zur Energieeinsparung im stationären Einzelhandel vorstellen und diskutieren“, begrüßte Marco Trienes von der Wirtschaftsförderung Wuppertal die Teilnehmer*innen.

Welche rechtlichen Regelungen müssen laut Energiesparverordnung im Handel beachtet werden? Und welche nachhaltigen Maßnahmen können darüber hinaus umgesetzt werden? Martina Faseler, Referentin für Nachhaltiges Wirtschaften und Energie bei der Bergischen IHK, lieferte Fachwissen zu den aktuellen Energiesparverordnungen und zeigte Potentiale auf.

70% Sparpotenzial bei Beleuchtung
Im Non-Food-Bereich des Handels geht die meiste Energie für die Beleuchtung drauf. Hier gibt es im Durchschnitt bis zu 70 Prozent Sparpotenzial. Dabei kann schon mit vielen kleinen Maßnahmen und einer geringen Investitionshöhe der Verbrauch gesenkt werden. Zum Beispiel können Bewegungsmelder in Treppenhäusern oder Lagern angebracht werden, um zu vermeiden, dass Mitarbeiter*innen versehentlich das Licht brennen lassen. Auch der Austausch von Glühbirnen hin zu LED-Lampen oder anderen energiesparenden Varianten bringt schnelle Effekte. Auch wenn vor einigen Jahren bereits umgestellt wurde. Neue Modelle seien noch wesentlich energiesparender als die von vor sechs oder sieben Jahren. Zudem empfiehlt Faseler zu prüfen, welche Lichtstärke tatsächlich an den jeweiligen Orten benötigt wird. Handelt es sich um einen Raum ohne Fenster? Oder fällt viel Tageslicht herein? Wird darin Büroarbeit erledigt oder wird der Raum als Abstellkammer genutzt? Fällt das Licht wirklich dorthin, wo es gebraucht wird oder strahlen Lampen größtenteils auf Wände oder Böden? Gleiches gilt für Wärme- und Kältetechnik. Diese spielt besonders im Food-Bereich eine zentrale Rolle. Auch hier sollte eine individuelle Abstimmung auf den Bedarf vorgenommen werden. 

Eine Analyse vom Profi
Martina Faseler rät Händler*innen deshalb dringend dazu, ihren Energieverbrauch detailliert von einem Experten analysieren und zielgenau auf die Räumlichkeiten anpassen zu lassen. "Man unterschätzt oft, wie betriebsblind man selbst ist", sagt Faseler. Über Förderprogramme können Händler*innen finanzielle Zuschüsse zu solchen Beratungsleitungen beantragen. Zertifizierte Expet*innen in der Region können über das Portal der Deutschen Energie-Agentur (Öffnet in einem neuen Tab) ausfindig gemacht werden. Eine Vielzahl an Programmen zur Energieeffizienz wird zurzeit über das BAFA angeboten. Darunter Programme für Nicht-Wohngebäude, die bis zu 80 Prozent Förderquote beinhalten. Auf der Internetseite des Handelsverbands (Öffnet in einem neuen Tab) gibt es eine Übersicht, welche von diesen und weiteren Programmen speziell den Einzelhandel abdecken.

Abgucken erlaubt: Die Klimaschutzoffensive
Auf der Info-Seite zur Klimaschutzoffensive (Öffnet in einem neuen Tab) des Handelsverbands bekommen Händler noch viel mehr Anregungen und Best-Practice-Beispiele. Projektleiterin Jelena Nikolic berichtete von virtuellen Rundgängen durch Ladenlokale, die man auf der Seite durchlaufen und dabei Energiefresser identifizieren kann. Zudem gibt es Online-Checks, mit denen man seinen aktuellen Energievergleich bewerten lassen oder sich ausrechnen lassen kann, was Investitionen ungefähr kosten würden. Neben den digitalen Selbsterkundungstools bietet der Handelsverband auch Seminare zu sämtlichen Themen an.

Offene Kommunikation
Die Praxis wird derzeit von rechtlichen Regelungen bestimmt, die kurzfristig den Energiebedarf senken sollen. Eingangstüren sollten geschlossen bleiben, damit die Wärme nicht entflieht. Beleuchtete Werbeanlagen müssen zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens ausgeschaltet werden. „Dunkle Ladenlokale und geschlossene Eingangstüren helfen zwar, den Energieverbrauch zu senken, wirken aber wenig einladend auf Passanten“, weiß Dr. Daria Stottrop, Handelsexpertin der Bergischen IHK. „Auch wenn Energiesparen jetzt wichtig ist, muss man in der dunklen Jahreszeit darauf achten, dass die Stimmung in den Innenstädten nicht zu sehr gedrückt wird“, so Stottrop. Deshalb ist Kommunikation ein wichtiges Werkzeug. Wenn die Kunden Bescheid wissen, warum beispielsweise die Beleuchtung oder Öffnungszeiten reduziert werden, ist das Verständnis in der Regel groß. Es müsse nur Klarheit geschaffen werden, damit die Kund*innen sich darauf einstellen könnten. Und nicht nur sie. Auch mit Mitarbeiter*innen sollte darüber gesprochen werden, welche Maßnahmen im Team umgesetzt werden sollten. Oft sei die Motivation dann größer. Und das ein oder andere Teammitglied hat selbst vielleicht noch eine gute Idee, wie Energie gespart werden kann.

Mit Vermietern planen
Ein nicht unwesentlicher Punkt bei größeren Maßnahmen ist, dass oft die Vermieter mit ins Boot geholt werden müssen. Sollen Wärmepumpen oder Fotovoltaikanlagen installiert werden, bedeutet das eine größere finanzielle Investition für Immobilienbesitzer. Das schränkt den Handlungsspielraum im Einzelhandel ein. Marco Trienes von der Wirtschaftsförderung ist aber der Meinung, dass energieeffiziente Gebäude sich zukünftig deutlich besser vermarkten lassen werden als Immobilien, die weniger nachhaltig aufgestellt sind. Somit steigt der Anreiz auch für Vermieter, in ihre Einzelhandelsimmobilien zu investieren. Das wird sich zwar weniger auf die kurzfristig umsetzbaren Maßnahmen zum Energiesparen auswirken. Aber die Nachhaltigkeitsexpertin der IHK Martina Faseler verweist schon jetzt auf Gesetze, die mittel- und langfristig ausgelegt sind. Damit wird das Thema Energieeffizienz auch über die aktuelle Krise hinweg ein wichtiges Handlungsfeld bleiben.

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Bildnachweise

  • Wirtschaftsförderung Wuppertal
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