Wenn Roboterarme Messer schleifen, Hochspannungskabel unterirdisch auf Fehler untersucht werden und aus Restmüll Energie entsteht, dann ist klar: Technik ist greifbar nützlich. Bei der ersten Nacht der Technik im Bergischen Städtedreieck konnten Besucher*innen am 8. Mai in Unternehmen, Werkhallen, Laboren und auf dem Campus der Bergischen Universität Wuppertal genau das erleben.
Zwischen 18 Uhr und Mitternacht öffneten insgesamt 29 Bergische Unternehmen und Institutionen ihre Türen und gaben exklusive Einblicke in technische Prozesse, industrielle Produktion und Zukunftstechnologien. Ob Schülerinnen und Schüler, Studierende, Familien oder Technikfans: Die Resonanz auf das neue Veranstaltungsformat war groß.
Schon zur Eröffnung wurde deutlich, worum es bei der Nacht der Technik ging: Begeisterung für technische Berufe und Innovationen zu wecken – insbesondere bei jungen Menschen.
„Wir wollen die Menschen für Technik begeistern, speziell auch junge Menschen, um sie wieder mehr für technische Berufe zu gewinnen. Wir wollen zeigen, man kann mit Technik die Zukunft gestalten“, sagte Paul E. Krug, stellvertretender Vorsitzender des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).
Auch Dr. Ursula Löffler, Kanzlerin der Bergischen Universität Wuppertal, betonte die gesellschaftliche Bedeutung der MINT-Fächer: „Die großen Herausforderungen wie Energiewende, Klimawandel und Digitalisierung können nur gelingen, wenn MINT dabei ist.“ Mehr als 7.000 Studierende sind an der Bergischen Universität in MINT-Studiengängen eingeschrieben.
Techniknacht-Expo: Wissenschaft zum Mitmachen
Besonders lebendig zeigte sich die Techniknacht auf dem Campus der Bergischen Universität. Dort präsentierten verschiedene Fachbereiche Experimente, Forschungsprojekte und technische Anwendungen zum Mitmachen und Ausprobieren. Kinder bauten Lichtschwerter, Besucherinnen und Besucher erfuhren, wie kosmische Strahlung gemessen wird oder wie ein LCD-Display aufgebaut ist. Im Hochspannungslabor wurde eindrucksvoll demonstriert, welche Kräfte in elektrischen Anlagen wirken.
Große Aufmerksamkeit zog auch das studentische Team Green Lion Racing auf sich. Das Formula-Student-Team der Bergischen Universität entwickelt eigenständig elektrische Rennwagen – von der Konstruktion bis zur Teilnahme an internationalen Wettbewerben. Im Mittelpunkt stehen innovative Antriebstechnologien und zukunftsorientierte Fahrzeugkonzepte für die Mobilität von morgen.
Neben Hochschulprojekten präsentierten sich auf der Expo weitere Unternehmen und Organisationen aus der Region. Die Feuerwehr Wuppertal, das THW und die Johanniter-Unfall-Hilfe gaben Einblicke in die Technik des Zivil- und Katastrophenschutzes. Einsatzfahrzeuge und Spezialtechnik konnten aus nächster Nähe betrachtet werden.
Industrie-PCs für die Schifffahrt und Scanner im Hochtempo
Wie vielfältig technische Anwendungen sein können, zeigte auch das Wuppertaler Unternehmen Janich & Klass Computertechnik (Öffnet in einem neuen Tab). Vorgestellt wurden unter anderem besonders robuste Industrie-PCs für die Schifffahrt. Die Geräte arbeiten auf großen Containerschiffen oder Kreuzfahrtschiffen unter extremen Bedingungen wie dauerhaften Vibrationen durch die Motoren. Deshalb kommen möglichst wenige kabelgebundene Komponenten zum Einsatz. "Rund 1.500 Schiffe weltweit fahren mit der Technik unseres Unternehmens", erzählt Geschäftsführerin Susanne Janich.
Daneben präsentierte Janich & Klass speziell entwickelte Hochleistungsscanner. Die Geräte digitalisieren Dokumente besonders schnell und schonend – bis zu 220 Seiten pro Minute. Produziert werden etwa 30 bis 50 dieser Spezialscanner pro Jahr.
Vom glühenden Rohling bis zur fertigen Maschine
Viele Programmpunkte führten die Besucherinnen und Besucher direkt in die Produktionshallen der Unternehmen.
Bei Gebrüder Becker (Öffnet in einem neuen Tab) erhielten die Gäste während einer Führung Einblicke in die Herstellung von Vakuumpumpen. Rund 140.000 Geräte und Systeme produziert das Unternehmen jährlich, viele davon für Verpackungs-, Druck- oder Industrieanlagen weltweit. "Unsere Produkte sind meist Teil von etwas Größeren", berichtet HR Director Sven Dahlmann beim Gang durch die Produktion. Besonders sichtbar wurde dabei, wie digital moderne Fertigung inzwischen organisiert ist: Große Monitore an den Arbeitsplätzen ersetzen klassische Papierzeichnungen, sämtliche Fertigungspläne stehen digital zur Verfügung. Zum Abschluss konnten Besucherinnen und Besucher auch die Lehrwerkstatt kennenlernen.
Beeindruckende Einblicke bot auch die Maschinenfabrik der Berger Gruppe (Öffnet in einem neuen Tab) in der Kohlfurth. Dort demonstrierte das Unternehmen, wie hochautomatisierte Roboterzellen entstehen. Hinter transparenten Schutzwänden arbeiteten mächtige Roboterarme hochpräzise an Schleifprozessen für Messerfertigungen. Geschäftsführer Andreas Groß führte die Gruppen persönlich durch die Hallen und erklärte, wie individuell die Anlagen für Kunden entwickelt werden, oft als maßgeschneiderte Einzelanfertigungen.
Energiewende, Stromnetze und ein Strommast zum Klettern
Bei den Wuppertaler Stadtwerken konnten Mutige einen Strommast erklimmen, inklusive kleiner Belohnung auf der Plattform. Hinter der spielerischen Aktion stand jedoch ein ernstes Thema: die Anforderungen der Energiewende an moderne Stromnetze.
Gezeigt wurde unter anderem ein Kabelmesswagen, mit dem Fehler in Hochspannungskabeln lokalisiert werden können. Auch der Einsatz von Bodenmikrofonen zur Suche nach Schäden im Stromnetz wurde demonstriert. Bernd Voges, Geschäftsführer der WSW Netz GmbH (Öffnet in einem neuen Tab), führte viele Gruppen persönlich durch das Programm und erläuterte, wie Stromnetze für die Zukunft fit gemacht werden.
Technik im Alltag – oft unsichtbar, aber unverzichtbar
Wie eng Technik mit dem Alltag verbunden ist, wurde besonders bei der AWG (Öffnet in einem neuen Tab) deutlich. Hier konnten Besucher*innen verfolgen, wie aus Restmüll Energie für tausende Haushalte erzeugt wird. Besonders eindrucksvoll: der Blick in den riesigen Müllbunker, in dem tonnenweise Abfälle mit gewaltigen Greifarmen bewegt werden.
Die Nacht der Technik zeigte damit nicht nur spektakuläre Maschinen und innovative Technologien, sondern auch die Menschen dahinter, die ihre Arbeit mit großer Begeisterung präsentierten. Durch Sie wurde Technik greifbar, verständlich und persönlich.
Initiatoren der 1. Bergischen Nacht der Technik waren die Technikvereine VDI und VDE. Unterstützt wurden sie von der Bergischen Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft sowie den Wirtschaftsförderungen aus Wuppertal, Solingen und Remscheid.
